Alfabetisierung & Hirnforschung “im Urwald”
Endlich können Analphabeten (Illiteraten) von Literaten unterschieden werden, ohne die Notwendigkeit sie Lesen und Schreiben zu lassen. Eine medizinische Untersuchung kann das eindeutig anatomisch feststellen. [Oder?]
„Wie kolumbianische Guerilleros der Hirnforschung halfen” – [DER STANDARD, Printausgabe, 15. 10. 2009]. Dieser Beitrag (der sich nicht gerade durch eine besonders wissenschaftskritische Betrachtungsweise auszeichnet) beschreibt eine Studie der „Avantgarde“ der Gehirnforschung, (Studie, die ich in den 80er Jahren am damaligen CISE/ Centro de Investigaciones y Servicios Educativos der Universidad Nacional Autónoma de México als „subcientificista“ klassifiziert hätte – «tempore mutantur et nos mutamur in illis»).
[Fussnote: Ein Beitrag in einer der Ausgaben der Perfiles Educativos, Zeitschrift des CISE, in einer der Nummer zwischen 1980 und 1981 publiziert wurde, geht auf eine wissenschaftskritische Beschreibung der Funktion und Aufgabe des/der Forschers/in ein: http://www.cesu.unam.mx/iresie/revistas/perfiles/perfiles-cd.htm]
Zitat aus genannten Beitrag im STANDARD vom 15.10.2009:
„ [...] 20 kolumbianische Ex-Guerilleros, die erst als Erwachsene lesen lernten, ließen sich mittels Magnetresonanztomografie ins Gehirn schauen. Ihre Hirnscans wurden anschließend mit Aufnahmen von 22 noch analphabetischen Kollegen verglichen“.
Eine mehr als seltsamer Beitrag des so genannten „Wissenschaftsjournalismus“- er erinnert an nicht besonders „helle“ Zeiten: Kein Widerspruch zu lesen: Selbst kolumbianische Guerilleros können einen „sinnvollen“ Beitrag leisten, insofern sie erstens zu Ex-Guerilleros wurden, und zweitens, der Hirnforschung dienen: 20 alphabetisierte kriegerische Männer wiesen im Vergleich zu 22 analphabetischen kriegerischen Männern eine feststellbare materielle Unterschiedlichkeit bestimmter Gehirnzonen auf, anatomisch signifikant.
Dieser Unterschied des männlichen lesegeübten Gehirns zum männlichen nicht lesenden Gegenüber stellt sich anatomisch beschrieben so dar:
An anatomical signature for literacy
Manuel Carreiras, Mohamed L. Seghier, Silvia Baquero, Adelina Estévez, Alfonso Lozano, Joseph T. Devlin & Cathy J. Price
Nature 461, 983-986(15 October 2009)
„Late-literates had more white matter in the splenium of the corpus callosum and more grey matter in bilateral angular, dorsal occipital, middle temporal, left supramarginal and superior temporal gyri. The importance of these brain regions for skilled reading was investigated in early literates, who learnt to read as children. We found anatomical connections linking the left and right angular and dorsal occipital gyri through the area of the corpus callosum where white matter was higher in late-literates than in illiterates; that reading, relative to object naming, increased the interhemispheric functional connectivity between the left and right angular gyri; and that activation in the left angular gyrus exerts top-down modulation on information flow from the left dorsal occipital gyrus to the left supramarginal gyrus. These findings demonstrate how the regions identified in late-literates interact during reading, relative to object naming, in early literates.“ Siehe auch → hier.



