Basisbildung einmal ganz anders…

16. November 2012

… so ein grippaler Infekt, der den Blogger seit einigen Tag zuhause gehalten hat statt ihn ins Büro zu treiben, zeigt auch gute Seiten. Zeit zu lesen, Fäden wieder aufzunehmen, die er achtlos liegen gelassen hatte, für andere “wichtige” Sachen. Also, durch eine leichte Erkrankung ein wenig dem “Provinziellen” entrissen, liest man in internationalen Medien (was unsere Medien nicht beachtenswert finden): Stichwort: “Bildungs-Nobel-Preis” (→WISE) geht dieses Jahr an einen indischen Basisbildner.

  • Madhav Chavan wins education ‘Nobel prize’, 13 Nov 2012: The National Literacy Trust would like to congratulate Madhav Chavan, this year’s winner of one of the biggest awards in international education.
    Dr Chavan has won the World Innovation Summit for Education (WISE) Prize, which has been likened to a ‘Nobel prize for education’. The award, announced at the WISE summit in Qatar, recognises his work in the slums of Mumbai and the low-cost education support he has provided to millions of impoverished families in India.

Stichwort: Finanzierung von Basisbildung (Literacy)

  • “Benedict Silverman ist ein Sammler von diesem Schlag. Er hat eine der bedeutendsten Sammlungen deutscher und österreichischer Kunst des frühen 20.Jahrhunderts in privater Hand zusammengetragen. Nun, 83 Jahre alt, hat er sich entschlossen, seine Bilder und den Ausstellungsort, sein New Yorker Penthouse-Apartment in Riverside Drive, zu verkaufen. Der Erlös soll dem „→Reading Rescue“-Programm des „Literacy Trust“ zukommen, das Silverman und seine Frau seit zwanzig Jahren unterstützen, sowie einer neuen Familien-Stiftung, die Bildung fördert. ” Zitat aus: →FAZ vom 13.11.2012

 

 

akkreditieren & zertifizieren

20. September 2012

Qualität (in) der Erwachsenenbildung: Akkreditieren & Zertifizieren…

ist seit einiger Zeit ein Hot Spot von Maßnahmen, Entwicklungen und Strategien: die österreichische LLL Strategie 2020 und Steuerungsinstrumente der Erwachsenenbildung zur Professionalisierung (Weiterbildungsakademie, Ö-CERT, Initative Erwachsenenbildung). Die Europäische Kommission hat 2011 eine Arbeitsgruppe mit diesem Fokus (Quality of Adult Learning) eingerichtet.

Wie verändert der Ausrichtung auf diese Qualitätsansprüche die Praxis der Erwachsenenbildung? Was und wer wird gestärkt? Welches Bild von Professionalität wird entworfen? Was hat die “Basis” davon? In welchen Verhältnissen stehen “governance” – “provider” – “provision” und vor allem die Personen (Lehrende/ Lernende)? Sind die governance-Begriffe “formal”/←” nicht-formal” /←”informell” für den Transfer (siehe: Pfeilrichtung “←”) geeignet; und was bedeutet das für Akkreditieren und Zertifizieren?

Vom 15. bis 17. 2012 findet  (fand) am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung ein Workshop statt, in dem auch diese Fragen gestellt werden können:
Programm und internationale Referent/innen sind: (PDF)
→ Ruth Jermann
(eduQua/ SVEB), Achim Hopbach (ENQA), Uwe Hackl (SystemCERT)

ESPRIS, emanzipatorisches Sprachenlernen

6. Juli 2012

Im Rahmen des Maßnahmenbereichs „Lebensbegleitendes Lernen in der Erwachsenenbildung“ setzt das BIS (Bildungszentrum Salzkammergut) gemeinsam mit 3 weiteren Partnereinrichtungen, die Universität Wien und COMMIT (Community/ Medien/ Institut) im Auftrag von BMUKK und ESF ein innovative Entwicklungsprojekt um.

Emanzipative Konzepte des Spracherwerbs für die Region Salzkammergut werden entwickelt und die regionale Zusammenarbeit gestärkt.

MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen werden in ihrem (Sprach-)Lernen unterstützt und erweitern ihren beruflichen, gesellschaftlichen und sozialen Handlungsspielraum.

Lernpartnerschaften – Etablierung von selbstgesteuertem Fremdsprachenlernen

Sprachlernen im Radio – Erstellung der sprachwissenschaftlichen und didaktischen Grundkonzeption (COMMIT-Community Medieninstitut für Weiterbildung, Forschung und Beratung)

Radio-Sprachkurs: „Sprachfrequenzen – A Host in Translation“ (Freies Radio Salzkammergut)

Forschungsarbeit: Spracherwerb über nicht-kommerzielle Medien – Schwerpunkt Frauen und ländliche Regionen (Universität Wien)

Hauptzielgruppe sind Personen mit Migrationshintergrund beiderlei Geschlechts und unabhängig vom Lebensalter, die ihre Sprachkompetenz verbessern wollen, bzw. durch gesetzliche Rahmenbedingungen dazu aufgefordert sind. Darüber hinaus gehören auch Personen ohne Migrationshintergrund, die ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern wollen/müssen zur primären Zielgruppe.

Zielgruppe sind weiters HörerInnen, SendungsmacherInnen des Freien Radio Salzkammergut, sowie alle Personen, die sich aktiv am Community Development beteiligen.

Über den wissenschaftlichen Rahmen berichtet Assimina Gouma im Freien Radio Salzkammergut, hier als Podcast verlinkt:

  • Assimina Gouma über das Teilprojekt der Uni Wien “Mehrsprachigkeit und nicht-kommerzielle Medien – Emanzipative Strategien für Migrantinnen” zum Nachhören auf dem Freien Radio Salzkammergut: [http://cba.fro.at/61222]

Livestream Tagung: Web Literacy

14. Juni 2012

http://www.zukunft-basisbildung.at/?page_id=7

Zukunft Basisbildung| Web Literacy

18. Juni 2012, 10.00 bis 19. Juni 2012, 13.00 Uhr
Ort: Graz, Fachhochschule Joanneum

Verfolgen Sie im Livestream am Montag (18. Juni 2012) die Tagung:

2012 widmet sich die Tagung „Zukunft Basisbildung“ den Themen Social Media und Web Literacy und fokussiert vor allem das Social Web als Ort, der neue Herausforderungen an die Literalität stellt. Der kritische Umgang mit dem Social Web ist Teil der Medienkompetenz und damit ein wichtiger Faktor der Basisbildung.
Die Tagung ist als physischer und virtueller Lernraum konzipiert. Wir werden sie als Livestream online übertragen und online-Beteiligung über eine Twitterwall ermöglichen. TutorInnen vor Ort erklären einfach und leicht verständlich die Nutzung wichtiger Social Media-Tools (z.B. 5min. for Twitter). Ein Marktplatz informiert über die gelungene praktische Umsetzung von Social Media im Bildungskontext.

EU = Krise, Buchpräsentation & Diskussion

24. Mai 2012

Die “Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) und die Forschungsgruppe Staatsprojekt Europa” untersucht aus unterschiedlichen Perspektiven Hintergründe und Dynamiken der aktuellen Krise der EU. Emanzipatorische Strategien für ein anderes Europa und die Perspektiven sozialer Bewegungen gegen die zunehmenden autoritären Krisenbewältigungsstrategien sind Thema der Buchpräsentation am 31. Mai 2012 um 14 Uhr  in Linz. Ort: Keplergebäude K 033 C der Johannes Kepler Universität Linz. Eine Diskussion mit den Autor/innen: Pia Eberhardt, Corporate Europe Observatory (Brüssel); Lukas Oberndorfer, juridikum und Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung; und  Roland Atzmüller, TSS, Institut für Soziologie ist angekündigt.

Buchtip:  Die EU in der Krise Zwischen autoritärer Staatlichkeit und europäischem Frühling → EU_Krise (PDF)

Globales Lernen – eurozentrisch?

22. Mai 2012

„Globales Lernen“ vom europäischen Meridian aus betrachtet; oder – „Vorsicht, das Konzept kann Eurozentrismus beinhalten“

Dem Vorwurf, dass Bildungskonzepte und Systeme immanent verwoben mit Ideologien und Herrschaftsansprüchen sind, ist wenig entgegenzuhalten. Im aktuellen Diskurs des lebenslangen Lernens und der kompetenzbasierten Instrumente, die den Lernenden in den Mittelpunkt der und ihrer Verantwortung stellen, erscheint folgendes oft vernachlässigt: Die Perspektive, die für das globale verschränkte und vernetzte Lernen entworfen wird, beruht nicht selten und unreflektiert auf einer eurozentrischen Position. Bildungsziele, gesellschaftliche Annahmen, marktwirtschaftliche Realitäten und bildungspolitische Entscheidungen orientieren sich „überraschend“ fixiert am europäischen Nullmeridian (von dem aus gemessen wird, und der eine der Markierungen auf der *Werkbank darstellt). Welche Auswirkung hat diese „konstitutive Geokultur“ (Wallerstein 1997, S. 93) auf unseren Bildungswortschatz? Können durch bewusste und dialogische Perspektivenwechsel diese eurozentrischen Vorstellungen verändert werden – was wahrscheinlich ein Ziel einer erneuerten Lernkultur unter der Etikette mit der Aufschrift „globales Lernen“ sein könnte?

In leichter Abwandlung einer akzeptieren Definition von Eurozentrismus zeichnet sich die aktuelle Bildungsdiskussion (Lebenslanges Lernen, Wissen unter dem Zeichen von Kompetenz, Vergleichbarkeit durch Messen an Standards, Demokratie als Garant des Marktes) durch eine mehr oder weniger explizite Annahme aus, Bildung durch ein Modell zu beschreiben, das „als charakteristisch für das westliche Europa und das nördliche Amerika betrachtet wird“ (Sebastian Conrad, Shalini Randeria; 2002, S. 12)

„Global“ könnte als Synonym von „universell“ gelesen werden. Auch diese Verallgemeinerung ist zu befragen und klärt nicht selten die Position, von der aus argumentiert wird (vom schon genannten eurozentrischen „Nullmeridian“). Demokratie ist, wie mit Nachdruck Samir Amin (Imperialism and Globalization, 2001) hervorhebt, ein universelles – kein „globales“ Konzept. Wird mit dieser begrifflichen Gegenüberstellung klarer, worin die perspektivisch verzerrte Wahrnehmung von einem eurozentrischen Standpunkt aus liegt?

Praxis und Theorie(n) globalen Lernens könnte überprüfend mit der Aufschrift versehen werden. „Vorsicht, das Konzept kann Eurozentrismus beinhalten.“ Und damit könnten Verzerrungen und Verschiebungen durch den eingenommenen Standpunkt sichtbar gemacht werden.

*) the workbench (engl.), die Werkbank

Literatur

Samir Amin (2010): L’eurocentrisme, engl. Eurocentrism, Monthly Review Press 2010 (2nd Edition [http://monthlyreview.org/press/books/pb2075/, 1.4.2012]
Vergleiche auch: [http://monthlyreview.org/2001/06/01/imperialism-and-globalization, 1.4.2012]

Sebastian Conrad (Hrsg.), Shalini Randeria (Hrsg.) (2002), Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2002

Immanuel Wallerstein (1997, 1st Ed. 1991), Geopolitics and Geoculture (Essays on the changing world-system). Cambridge: Cambridge University Press.

 

(U)LLL: EUCEN speaking @ University Graz

28. April 2012

Am 9. Mai 2012 eröffnet die 43. EUCEN Konferenz an der Universität Graz ihr Programm.  Welche Rolle spielen und (werden/ können/ sollen) die Universitäten im Konzept des Lebenslangen Lernens einnehmen? Diese Fragestellung wird die international mit anerkannten Expert/innen besetzte Veranstaltung ansprechen (und zu klären versuchen). Unter dem Akronym ULLL (University Lifelong Learning) präsentieren sich die Universitäten als Lernräume (“Lernuniversum”) mit dem  gesellschaftlichen Auftrag Veränderung (Lernen) zu gestalten:

ULLL is the provision by higher education institutions of learning opportunities, services and research for: the personal and professional development of a wide range of individuals – lifelong and lifewide; and the social, cultural and economic development of communities and the region. It is at university level and research-based; it focuses primarily on the needs of the learners; and it is often developed and/or provided in collaboration with stakeholders and external actors. (EUCEN BeFlex Project)

Anmeldung, Information und Programm wird hier im l3lab verlinkt:

 

Neue Zeitschrift mit Focus auf Kritik

28. April 2012

Ab Herbst 2013 erscheint im Verlag Walter De Gruyter die neue Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie. Die Herausgeber sind Ingo Elbe (Oldenburg), Sven Ellmers (Hagen), Christoph Hesse (Berlin), Falko Schmieder (Berlin) und Hendrik Wallat (Hannover). Beabsichtig ist:

„ein allgemeines wissenschaftliches Forum für sozialtheoretische Debatten mit kritischem Anspruch. (Die Zeitschrift) greift damit ein Konzept der Kritischen Theorie auf, unterschiedliche Disziplinen wie Philosophie, Soziologie, Psychologie, Geschichtswissenschaft sowie Kultur- und Medienwissenschaften mit der Kritik der politischen Ökonomie auf der Höhe der Zeit zusammenzuführen, ohne sich selbst dabei auf eine bestimmte Tradition kritischer Gesellschaftstheorie zu beschränken.”

Weitere Informationen zur Zeitschrift und den cfp (Call for Paper) zur ersten Ausgabe finden Sie unter: http://www.sozialtheorie.de/Zeitschrift-fur-kritische

 

EQR & NQR zwischen Bildung und Ökonomie

24. April 2012
Knapp vor dem Termin in Klagenfurt erreicht uns diese Einladung:
Die Alpen Adria Universität Klagenfurt
Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung
Abteilung für Erwachsenen- und Berufsbildung

lädt ein zum Gastvortrag von
Prof. Dr. Peter Dehnbostel:

„Europäische und Nationale Qualifikationsrahmen zwischen Bildung und Ökonomie“
Donnerstag, 3. Mai 2012 um 18:00 Uhr Hörsaal B

Einladung zum Gastvortrag_Dehnbostel (PDF)

In memoriam Phone & Literacy (0.0)

18. April 2012

Wie hat die Erfindung des Telefons unser Hörverständnis, und damit unsere Sprache beeinflusst?

Anrufer: Hallo?
Angerufener (mein Großvater): Der Hallo ist g’storben!

Personen werden Nummern zugeordnet (Telefonnummern: die von Null über Neun bis Eins angeordnet waren, und die wir auch schon blind ertasten und wählen konnten. Den längsten Weg hatte die Null auf der Wahlscheibe zurückzulegen, den kürzesten die Eins. Telefonnummernkompetenz braucht heute keiner mehr). Mit dem Aufkommen des Tastentelefons wurden die früher in einem Kreis angeordnete Zahlen ähnlich wie auf einem Taschenrechner angebracht. Ähnlich! Denn links oben steht die Eins (Tastentelefon); aber links oben ist die Sieben (Taschenrechner). Neben dem Telefon lag ein mehr oder weniger ausgeklügeltes Telefonverzeichnis alphabetisch angeordnet. Als Heft mit Daumenindex zum Beispiel. Den ganzen Beitrag lesen »